WHO testet 4 Covid-19-Therapien


SOLIDARITY-Studie läuft an
WHO testet 4 Covid-19-Therapien
pogonici/Shutterstock.com

Bei der Suche nach einer wirksamen Arznei gegen Covid-19 geht es voran: Die WHO hat eine weltweite Studie initiiert, bei der 4 Medikamente bzw. Medikamentenkombinationen getestet werden.

Einfache Studie soll schnelle Ergebnisse bringen

SOLIDARITY heißt die global angelegte Untersuchung der WHO. Die Studie ist bewusst einfach gehalten. Zum einen, um möglichst schnell zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, zum anderen, damit auch die von der Epidemie überlasteten Krankenhäuser teilnehmen können.

Das Prozedere ist wie folgt: Hat sich die Diagnose Covid-19 bestätigt und der Patient sein Einverständnis zur Teilnahme an der Studie erklärt, gibt der Arzt die Daten auf einer Website der WHO ein. Außerdem gibt er an, welche der unten genannten vier Therapieoption in seinem Krankenhaus zur Verfügung stehen. Eine davon wird dem Patienten dann per Zufall (randomisiert) von der Website zugeteilt. Danach sind keine Messungen mehr erforderlich. Der Arzt meldet lediglich, wann der Patient entlassen wurde oder ob er verstorben ist, und ob bei ihm eine Sauerstofftherapie oder eine Beatmung durchgeführt worden ist.

Potenziell wirksam, sicher und verfügbar

Die 4 Therapieoptionen, die die WHO prüfen lässt, wurden von einem Gremium aus internationalen Wissenschaftlern ausgesucht. Kriterien zur Auswahl der Substanzen waren die potenzielle Wirksamkeit, bereits vorhandene Daten zur Sicherheit und eine ausreichende Verfügbarkeit. Dabei handelt es sich um folgende Medikamente:

  • Lopinavir und Ritonavir. Diese antiviralen Medikamente gehören zu den Protease-Inhibitoren und stehen seit 2001 zur Behandlung von HIV-Infektionen zur Verfügung. Sie wirken, indem sie Enzyme von Viren (sogenannte Proteasen) hemmen und wurden schon bei der SARS-Pandemie 2002 erfolgreich eingesetzt. In einer kleinen chinesischen Studie erwies sich die Kombi bei Covid-19-PAtienten jedoch als wirkungslos, womöglich waren die Patienten schon zu schwer erkrankt. Die WHO hofft, dass Lopinavir/Ritonavir in früheren Stadien der Erkrankung durchaus eine Wirksamkeit zeigen.
  • Lopinavir und Ritonavir plus Interferon-Beta. Bei dieser Dreierkombi wurde den beiden Protease-Inhibitoren das ebenfalls antiviral wirkende Interferon-Beta zur Seite gestellt. Die Kombination war bisher bei saudiarabischen Patienten, die mit dem MERS-Coronavirus infiziert waren, erfolgreich. In mehreren Studien führte sie zu einem Absinken der Viruslast, d.h. zu einem Absinken der Viruskonzentration im Blut. Die WHO hofft auf einen ähnlichen Effekt bei Patienten, die mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert sind.
  • Remdesivir. Dieser antivirale Wirkstoff wurde gegen Ebola entwickelt, erwies sich dort jedoch als unwirksam. In Zellkulturen hindert Remdesivir die Coronaviren SARS-CoV und MERS-CoV daran, menschliche Zelllinien zu infizieren. In Einzelfällen soll Remdesivir auch bei Covid-19-Patienten erfolgreich gewesen sein. Für die WHO ist Remdesivir deshalb der vielversprechendste Kandidat zur Behandlung von Covid-19.
  • Chloroquin. Auch das Malariamedikament Chloroquin verhindert in Zellkulturen, dass SARS-CoV menschliche Zellen infiziert. Dies erfordert jedoch sehr hohe Dosierungen, weshalb bei einem Einsatz mit dem vermehrten Auftreten der für das Medikament typischen Nebenwirkungen wie Sehstörungen, schweren Blutbildveränderungen, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen gerechnet werden muss. Die WHO hat Chloroquin in SOLIDARITY aufgenommen, weil es verschiedenen Berichten zufolge die Viruslast bei einzelnen Covid-19-Patienten reduzieren konnte. Ob sich das auf die Sterberate auswirkt, ist jedoch noch unklar.

Dynamisches Design

Getestet werden bei der Studie tausende Patienten in zahlreichen Ländern. Wann die ersten Ergebnisse kommuniziert werden, ist noch unklar. Das Design der Studie ist dynamisch: Ein globales Überwachungsgremium prüft in regelmäßigen Abständen die Zwischenergebnisse und entscheidet, ob ein Arzneistoff eine Wirkung hat oder nicht. Zudem können im Verlauf andere, potenziell wirksam Medikamente aufgenommen und getestet werden.

Quellen: Ärzteblatt, WHO

News

Gesundheitsgefahr durch "kalten Rauch"
Gesundheitsgefahr durch "kalten Rauch"

Unsichtbare Tabak-Rückstände

Rauchen schadet der Gesundheit – das weiß mittlerweile jedes Kind. Doch auch wenn die Zigarette längst ausgedrückt ist, bleibt die Gefahr bestehen. Nikotin und Schadstoffe lagern sich nämlich auf Möbeln, Kleidern und Händen ab und werden so zur unsichtbaren Gesundheitsgefahr.   mehr

Höhere Sterberate bei dicken Kindern
Höhere Sterberate bei dicken Kindern

Körperliche und psychische Folgen

Wer seit seinen Kindertagen zu dick ist, entwickelt später ernsthafte Folgeerkrankungen wie Gicht und Diabetes. Doch nicht nur das: Stark übergewichtige Kinder haben schon als junge Erwachsene ein deutlich erhöhtes Risiko, durch Selbstmord oder eine Krankheit zu Tode zu kommen.   mehr

Badespaß trotz Corona?
Badespaß trotz Corona?

SARS-CoV2 in Luft und Wasser

Der Sommer ist in Sicht und mit den Temperaturen steigt auch die Lust, im Schwimmbad oder Baggersee ins kühle Nass zu tauchen. Doch wie sieht es damit aus in Zeiten der Corona-Pandemie: Kann man sich das Virus womöglich beim Schwimmen einfangen?   mehr

Im Alter den Durchblick behalten
Im Alter den Durchblick behalten

Wenn die Alterssichtigkeit einsetzt

Manche bemerken schon mit 40 Jahren, dass das Lesen schwierig wird, bei anderen geht es erst ein paar Jahre später los. Die Alterssichtigkeit trifft früher oder später fast jeden. Warum spätestens jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den Augenarzt aufzusuchen.   mehr

Asthma durch Balkonpflanzen
Asthma durch Balkonpflanzen

Düfte lösen Beschwerden aus

Blühende Balkonpflanzen mit starkem Duft lösen bei empfindlichen Menschen Beschwerden der Atemwege aus. Bei der Auswahl der Pflanzen sind einige Vorsichtsmaßnahmen angebracht.   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen

Beratungsclips

Antibiotikumsaft mit Löffel

Antibiotikumsaft mit Löffel

Dieses Video zeigt Ihnen kurz und verständlich, wie Sie einen Antibiotikumsaft mit einem Dosierlöffel richtig einnehmen. Der Clip ist mit Untertiteln in Russisch, Türkisch, Arabisch, Englisch und Deutsch verfügbar.

Wir bieten Ihnen viele unterschiedliche Beratungsclips zu erklärungsbedürftigen Medikamenten an. Klicken Sie einmal rein!

Ratgeber Thema im Juni

Kleine Wunden sicher versorgen

Kleine Wunden sicher versorgen

Geschnitten oder geschürft?

Beim Gemüseschneiden den Finger erwischt, beim Schreibtischaufräumen am Papier geschnitten oder auf ... Zum Ratgeber
Herz-Apotheke im City Center
Inhaber Shafie Rooshani
Telefon 08121/97 67 76
Fax 08121/97 67 74
E-Mail citycenter@herzapotheke-poing.de